Rufnummern, Gesprächsdauer, IP-Adressen — bei jedem Anruf entstehen personenbezogene Daten. Dieser Guide zeigt, worauf es bei der DSGVO-konformen VoIP-Telefonie ankommt.
Viele Unternehmen unterschätzen, wie viele personenbezogene Daten bei einem einfachen Telefonat entstehen. Es geht nicht nur um den Gesprächsinhalt — der wird bei den meisten VoIP-Lösungen nicht gespeichert. Es geht um die Metadaten:
All diese Daten fallen unter Art. 4 Nr. 1 DSGVO als personenbezogene Daten. Das bedeutet: Jeder VoIP-Anbieter, der diese Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet, muss die DSGVO einhalten — und Sie als Unternehmen sind dafür verantwortlich, dass er das tut.
Damit Ihre Cloud-Telefonie DSGVO-konform ist, muss Ihr Anbieter diese fünf Anforderungen erfüllen:
Verbindungsdaten und Kundendaten dürfen nur auf Servern innerhalb der EU bzw. des EWR gespeichert werden. Ein Serverstandort in Deutschland bietet den stärksten Schutz, weil keine Drittlandübermittlung stattfindet und die deutschen Datenschutzbehörden direkt zuständig sind.
Art. 28 DSGVO schreibt vor, dass Sie mit jedem Dienstleister, der personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet, einen AVV abschließen müssen. Ihr VoIP-Anbieter verarbeitet Verbindungsnachweise — ein AVV ist daher Pflicht. Seriöse Anbieter stellen diesen standardmäßig bereit, idealerweise digital abschließbar.
Sowohl die Signalisierung als auch die Sprachdaten müssen verschlüsselt übertragen werden. Der Stand der Technik sind TLS (Transport Layer Security) für die Signalisierung und SRTP (Secure Real-time Transport Protocol) für die Sprachdaten. WebRTC-basierte Lösungen bieten diese Verschlüsselung standardmäßig.
Verbindungsnachweise dürfen nicht unbegrenzt gespeichert werden. Ihr Anbieter muss ein dokumentiertes Löschkonzept vorweisen, das regelt, wann CDR-Daten gelöscht werden — unter Berücksichtigung der handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungspflichten (§ 257 HGB: 6 Jahre für Geschäftsbriefe, 10 Jahre für Buchungsbelege).
Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO verlangt, dass nur die Daten erhoben werden, die für den Zweck der Verarbeitung erforderlich sind. Ein VoIP-Anbieter braucht Rufnummern und Verbindungsdaten für die Abrechnung — aber nicht den Standort Ihrer Mitarbeiter, nicht die Kontaktlisten auf deren Geräten, und nicht die Inhalte der Gespräche.
In der Praxis scheitern viele Unternehmen nicht an böser Absicht, sondern an Unwissenheit. Hier sind die häufigsten DSGVO-Verstöße bei VoIP-Telefonie:
Viele Anbieter hosten auf AWS, Google Cloud oder Azure. Selbst wenn die Server physisch in Frankfurt stehen — gehört der Cloud-Anbieter einem US-Konzern, kann der US Cloud Act den Zugriff auf Daten erzwingen. Das ist kein theoretisches Risiko: Die Vorgänger-Abkommen Safe Harbor und Privacy Shield wurden beide vom EuGH gekippt.
Erstaunlich viele Unternehmen telefonieren über Cloud-Dienste, ohne je einen Auftragsverarbeitungsvertrag abgeschlossen zu haben. Das ist ein direkter Verstoß gegen Art. 28 DSGVO — und kann bei einer Prüfung durch die Datenschutzbehörde zu Bußgeldern führen.
Manche Anbieter geben keinen festen Serverstandort an, sondern sprechen von "Redundanz" und "Lastausgleich". Das kann bedeuten, dass Ihre Verbindungsdaten heute in Frankfurt und morgen in Singapur liegen. Ohne klare Zusage zum Verarbeitungsort können Sie Ihre eigenen DSGVO-Pflichten nicht erfüllen.
Wenn Mitarbeiter Geschäftsanrufe über WhatsApp, Signal oder persönliche Mobiltelefone führen, verlieren Sie die Kontrolle über die Daten. Verbindungsnachweise landen auf privaten Geräten und den Servern der Messenger-Dienste — ohne AVV, ohne Löschkonzept, ohne Einwilligung der Gesprächspartner.
Wie schneiden die gängigen VoIP-Anbieter in Sachen Datenschutz ab?
| Kriterium | FluffyCall | Sipgate | 3CX | Placetel |
|---|---|---|---|---|
| Firmensitz | Berlin, DE 🇩🇪 | Düsseldorf, DE 🇩🇪 | Nicosia, Zypern 🇨🇾 | Köln, DE 🇩🇪 * |
| Serverstandort | Deutschland (Hetzner) | Deutschland | Variabel | EU |
| Voice-Routing | Frankfurt (Telnyx PoP) | Deutschland | Abhängig vom Setup | EU (Cisco-Backend) |
| BNetzA-Lizenz | ✅ | ✅ | ❌ | ✅ |
| AV-Vertrag | ✅ | ✅ (online) | ✅ (DPA im Portal) | ✅ |
| US Cloud Act Risiko | Kein Risiko | Kein Risiko | Ggf. bei Cloud-Hosting | Cisco-Backend, UK-Mutter |
| Verschlüsselung | WebRTC (TLS/SRTP) | TLS/SRTP | TLS/SRTP | TLS/SRTP |
| Ohne App/Installation | ✅ Browser | App oder IP-Telefon | App oder IP-Telefon | App oder IP-Telefon |
| Pay-as-you-go | ✅ Ab 0,03 €/Min | Monatlich pro Seat | Jahreslizenz | Monatlich pro Seat |
* Gamma Placetel GmbH — Muttergesellschaft Gamma Communications plc (UK). 3CX ist eine Softwarelösung, keine TK-Dienstleistung — eine BNetzA-Lizenz ist daher nicht erforderlich. Stand: Juni 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
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